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Wanderungen

Haindorfer Berg



Haindorfer Berg

Haindorfer Berg – eine mittelschwere Rundwanderung über den Dornröschenberg, einen Vorberg zur Kampenwand. Der steile Westaufstieg mit dem Schlüpfen durch Gestrüpp und dem Klettern über umgestürzte Bäume ohne jegliche Wegweiser oder Markierungen erinnert tatsächlich an dieses Märchen. Wen das nicht stört, dem kann man diese Tour empfehlen. Im Bild: Ostflanke des Berges mit der großen Weidefläche der Sameralm, aufgenommen auf einer anderen Tour (Stand: Oktober 2019)

Abstract
Der Haindorfer Berg ist ein Vorberg zur Kampenwand. Mit seiner offenen Ostflanke stellt er den Aussichtsberg schlechthin dar, vor allem zum Chiemsee und nach Süden zu den anderen Bergen. Aber sein Gipfel hat kein Gipfelkreuz und ist nur über zwei steile Pfade durch den Wald zu erreichen. Da sich deshalb kaum jemand dort hinaufwagt, sind die Pfade arg verwildert und schwer zu gehen. Wegweiser oder Markierungen gibt es nicht. Man muss sich die Strecke teilweise mühsam durch Gebüsch und über umgestürzte Bäume regelrecht erkämpfen, aber es gibt sie offiziell.

Die übrigen Teile der Route kann man als einfache Wanderstrecken bezeichnen. Zunächst geht es ganz idyllisch nahe am Waldrand dahin, ehe es mit dem Kreuzweg und dem anschließenden Aufstieg nach Vordergschwendt etwas steiler wird. Der weglose Abstieg über die Almfläche zur Sameralm sorgt dann für Entspannung nach der vorherigen Anstrengung am Westaufstieg ab Hintergschwendt. Der Weiterweg zur Maisalm und durch den Lochgraben ins Tal ist nur noch reine Formsache.

Drei Attribute kann man dieser Tour zuschreiben: absolute Einsamkeit, zumindest bis zur Sameralm; anstrengender Aufstieg zum Gipfel sowie beste Fernsicht zum Chiemsee und in andere Richtungen. Wem der beschwerliche Aufstieg ab Hintergschwendt nichts ausmacht, dem kann man diese Tour empfehlen. Verhungern oder verdursten muss er jedenfalls nicht; auf der Strecke liegen zwei ganzjährig geöffnete Einkehrmöglichkeiten.
Schwierigkeit:32.0mittel (27.5-40)
Tracklänge:11,3 kmmittellang (8-15 km)
Wanderzeit:4:50 h*mittellang (3-5 h)
Höhensumme:631 mmittelgroß (400-800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
Parkplatz Kohlstatt643
Abzw. in den Wald623 0:110,48
Beginn Kreuzweg657 0:270,83
Abendmahl Kapelle745 0:220,52
Vordergschwendt832 0:200,84
Gschwendtner Stubn851 0:191,39
Waldrand obere Wiese920 0:251,07
Waldrand obere Wiese924 0:080,32
Abzw. Bergsteig930 0:140,73
1. Spitzkehre1003 0:230,73
Gipfel Haindorfer Berg1125 0:300,77
Sameralm979 0:220,69
Maisalm928 0:160,89
Parkplatz Kohlstatt643 0:532,00
Gebirge, Lage, Karte
Chiemgauer Alpen; Westliche Chiemgauer Berge, nordwestlich der Kampenwand, östlich von Aschau bzw. Haindorf. Karten: Kompass Wanderkarte Nr. 10 Chiemsee, Chiemgauer Alpen; bzw. AV Digital 2016 (USB Edition) 3D, Chiemgauer Alpen West, bzw. GPS Garmin Oregon 600, TransAlpin V4 Pro.
Datum, Begleiter, Wetter
24.10.2019; Alleingang; das trifft fast auf die ganze Strecke zu. Auf dem Anmarsch im Tal, am Anstieg zur Abendmahlkapelle, dem Weitermarsch nach Vorder/Hintergschwendt, dem Aufstieg zum Gipfel und dem Abstieg zur Sameralm habe ich keinen einzigen Menschen getroffen oder gesehen. Erst an der Maisalm und am Abstieg durch den Lochgraben waren dann auch noch einige andere Personen unterwegs. Eigentlich sollte es ein sonniger Tag werden. Morgen sah es auch danach aus. Dann aber bildete sich immer mehr leichter Hochnebel, der nur an wenigen Stellen aufriss und die Sonne durchblicken ließ. Aber trotzdem blieb die Sicht weitgehend klar. Die Gefahr eines Regenschauers bestand nicht. Es wehte zuweilen ein deutlich spürbarer, sehr warmer Wind aus südlichen Richtungen. Im Wald verursachte er ein fast unheimliches Rauschen, zusammen mit den fallenden Blättern.
Erreichte Gipfel
Die höchste Stelle dieser Tour liegt am Gipfel des Haindorfer Berges mit 1125 m; ein Gipfelkreuz steht dort oben nicht.
Alm(en), Hütt(en):
Gschwendtner Stubn, Maisalm, Neben den beiden Einkehrmöglichkeiten (Gschwendtner Stubn, Maisalm) trifft man auf dieser Tour nur noch auf die Sameralm (hatte früher auch auf), auf die Abendmahlkapelle und die Anwesen von Vordergschwendt und Hintergschwendt. Im unteren Teil des Abstiegs kommt man dann noch an etlichen Häusern vorbei.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
Wanderparkplatz Maisalm, Kohlstatt, Aschau. Adresse: Kohlstattweg 17, D-83229 Aschau . Koordinaten: N = 47.775542, E = 12.334649; Geographische Daten: N = 47°46´32.0´´, E = 12°20´04.7´´; UTM-Daten: Z = , E = 300322, N = 5294793; Gauß-Krüger: R-E = 4525187.719, H-N = 5293082.630. Die Anfahrt nach Aschau Bahnhof mit dem ÖPNV ist möglich. Allerdings ist dann noch eine gewisse Strecke zu Fuß erforderlich, um zu dem Ausgangspunkt für diese Tour zu kommen. Es gäbe aber sogar die Möglichkeit, auch an den Haltestellen „Bucha“ und „Innerkoy“ zu beginnen. Dort hält ein Bus der Linie von Bernau nach Aschau. Mit Rollstühlen oder Kinderwägen ist die Tour nicht zu bewältigen.
Am hinteren Ende des Parkplatzes geht es auf einem guten Waldweg zunächst etwas bergab. Bald darauf kommt man aus dem Wald heraus und geht dann ein Stück am Waldrand entlang. Aber aufpassen: kurz darauf zweigt der schmale Pfad ganz unvermittelt nach rechts ab und geht in den dunklen Wald (es stehen Wegweiser dort, die man aber leicht übersehen kann). Nach einigen recht idyllischen Passagen – durchaus im etwas steileren Gelände – kommt man an den Beginn des Kreuzweges. Dort mündet ein Weg aus Bucha ein, wahrscheinlich kommen von dort immer die Pilger. Nach einem kleinen Abstecher zur Kapelle geht es weiter durch den Wald bergauf, ehe man Vordergschwendt erreicht. Die Strecke geht zwischen den Häusern durch weiter bergauf und nach einer bewaldeten Kuppe wieder etwas bergab nach Hintergschwendt. Die dortige Einkehr in die „Gschwendtner Stubn“ darf man sich nicht entgehen lassen. Nach ein paar Metern zurück beginnt direkt am letzten Hof der Ernst dieser Tour. Wegweiser oder Markierungen gibt es nicht. Nach einem Gang über die Wiese und dem Aufstieg durch einen Hohlweg im Wald geht es erneut auf einem undeutlich erkennbaren Karrenweg weiter über die Wiese. An einem Stacheldraht wähnt man sich am Ende aller Wege. Aber es geht weiter, nunmehr über den zugewachsenen Karrenweg, dann durch den Wald und über eine weitere Wiese führt, ehe man kurz darauf die Forststraße erreicht. Nach einer kurzen Strecke in gleicher Richtung weiter beginnt der Aufstiegspfad zum Gipfel. Er ist wirklich sehr schwer zu erkennen, ich bin auch erst daran vorbeigelaufen. Nur mit gutem Willen erkennt man, dass vor „langer Zeit“ dort wohl jemand gelaufen ist. Nach etlichen kleinen Spitzkehren am Anfang verläuft die Strecke nach Norden. Immer wieder denkt man, sich verlaufen zu haben, aber es stimmt schon. Erst wenn das Buschwerk endet und der Hochwald beginnt, ist der Steig gut erkennbar. Aber auch dann versperren viele umgestürzte Bäume immer wieder die Strecke. Man muss diese Hindernisse mit Drüber- oder Drunterdurch-Krabbeln mühsam überwinden oder ihnen mit dem Gang ins weglose Steilgelände ausweichen. Als krönender Abschluss ist dann die Überwindung des Stacheldrahtes auf den Gipfel erforderlich. Ab jetzt kann man aufatmen. Der weglose Abstieg über die Almwiese zur Sameralm ist ein Kinderspiel. Im Weiteren führt dann der Versorgungsweg hinunter zu der großen Kreuzung oberhalb der Maisalm und weiter nach rechts zu dieser Hütte. Kurz darauf erreicht man den asphaltierten Versorgungsweg auf dem man ohne weitere Probleme zurück zum Parkplatz kommt.
Anmerkungen:
Den Haindorfer Berg kann man auf Wanderungen im Gebiet nördlich der Kampenwand immer wieder sehen. Besonders auffallend und markant ist die Almfläche oberhalb der Sameralm. Im Winter wird sie bestimmt sehr gerne von Skitourengehern genutzt. Aber man kommt sehr schlecht auf den Gipfel dieses Berges um die dort mögliche Fernsicht zu genießen. Den Westaufstieg durch den steilen Wald erlebte ich selbst, der Südwest-Aufstieg ist bestimmt auch nicht besser. Trotzdem ist es ein Geheimtipp, den man aber nur jemand empfehlen kann, dem der Kampf mit Buschwerk und mit umgestürzten Bäumen nichts ausmacht. Falls man diesem widerspenstigen Dörnröschenberg aus dem Weg gehen will, gibt es genug Möglichkeiten auf andere, wenig frequentierte Vorberge mit guter Fernsicht auszuweichen.

Bilder zur Wanderung

Der Höhenverlauf geht zunächst leicht bergab (die Stufe in der Kurve resultiert aus einer Korrektur der Höhenmessung). Dann aber beginnt der mittelsteile Aufstieg, der nur an den beiden Ortschaften und weiter oben auf der Forststraße etwas unterbrochen wird (wo ich mich verlaufen hatte und zurückgehen musste). Der Aufstieg zum Gipfel ist sehr steil und wird beim Gehen nur durch die Schrägpassagen etwas abgemildert. Dem folgt der etwas weniger steile Abstieg, eigentlich bis ins Tal. Er wird nur an den beiden Almen etwas unterbrochen.

Haindorfer Berg im Profil, aus Norden gesehen. Man erkennt deutlich die steile Westseite und die etwas flachere Ostflanke mit den Weiden der Sameralm, einschließlich des unten stehenden Gebäudes.

Kurz nach dem Start kommt man aus dem Wald heraus und geht ein Stück am recht malerischen Waldrand entlang.

Ein erster Blick geht nach Westen über das in der Sonne liegende, malerische Aschau hinweg. Im Hintergrund steht der Aschauer Kopf, zu dem keine offiziellen Wanderrouten hochgehen.

Kurz darauf heißt es aufpassen und auf den Weg achten. Ganz unvermittelt zweigt ein schmaler Pfad in den Wald ab. Dort stehen zwar zwei auffällige Wegweiser, die man aber leicht übersehen kann.

Kurz darauf wird es idyllisch, der Weg geht durchaus als richtiger Bergpfad durch den Wald, aber immer in der Nähe der Waldgrenze. An einigen Stellen kommt man sogar bis an die offene Flur heran.

Eine dieser offenen Stellen erlaubt einen weiteren Blick, in diesem Falle über das prächtige, sehr gepflegte Anwesen Innerkoy hinweg.

Kurz darauf beginnt der Kreuzweg hinauf zur Abendmahlkapelle. Man spürt fast, wie dort die Pilger ins Schwitzen kommen, begleitet von dem zusätzlich sehr anstrengenden Beten.

Vierzehn Stationen hat dieser Kreuzweg, wie alle anderen auch. Bei den Tafeln handelt es sich um Reliefprägungen auf schiefergrauem Material. Sie scheinen neueren Datums zu sein. Noch vorhandener, frischer Schmuck lässt darauf schließen, dass dort erst vor kurzem ein Pilgergang stattfand.

Die Kapelle selbst ist etwas im Gelände zurückgesetzt, unmittelbar neben einer gefassten Quelle, mutmaßlich Heilwasser. Sie hat einen abgeschlossenen Altarraum, hinter einem immer geöffneten Kirchenraum mit Gestühl. Sie entstand im 17. Jahrhundert und hatte ihren Höhepunkt als Pilgerort in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Vordergschwendt, ein kleiner Ort, durch den der Verlauf des Weges mittendurch führt. Die Möglichkeit für Fernblicke geht hier nahtlos weiter.

Nach einer bewaldeten Bergkuppe kommt man nach Hintergschwendt, ebenfalls ein sehr malerischer Ort.

Und nicht vergessen, einkehren! In den Gschwendtner Stubn ist das bestens möglich. Zu dem recht schnuckeligen Lokal gehört auch ein kleiner Biergarten.

Mit dem Gang durch einen Hohlweg beginnt der Ernst der Tour kurz nach Hintergschwendt. Nur wenige Spuren weisen den richtigen Weg durch die an den Wald anschließenden Wiesen.

An einem Stacheldrahtzaun scheint das Ende gekommen zu sein. Aber dahinter geht es weiter, ein kurzes Stück durch heftige Wildnis.

Von der Forststraße zweigt dann der Pfad nur schwer erkennbar nach links ab und geht diese Böschung hoch. Ich habe ihn erstmal übersehen und musste ein Stück zurückgehen.

Vielerlei Gestrüpp versperrt immer wieder den Weg, durch das man sich durchkämpfen muss.

Erst weiter oben im Hochwald ist dann der Pfad deutlich zu sehen. Er geht in mehreren Spitzkehren die Westflanke hoch.

Aber auch dort geht es nicht ohne Hindernisse weiter. Über diesen umgefallenen Baum – und er ist nicht der einzige – kann man klettern.

Einem anderen Baum, der dort schon wohl viele Jahre liegt, kann man nur mit einem kleinen Umweg ins Steilgelände ausweichen.

Welche Erleichterung – die freie Gipfelkuppe ist erreicht. Gipfelkreuz gibt es zwar keines, aber das tut dem Wert des Aufstiegs keinen Abbruch.

Von nun an geht es bergab über die Almwiese. Steig gibt es keinen, man muss also weglos gehen. Das ist aber überhaupt kein Problem. Verlaufen kann man sich nicht und es warten auch keine gefährlichen Stellen.

Vorher sehen wir uns noch ein wenig um. Ein recht guter Blick geht hinüber zu der Gedererwand mit ihren steilen Nordwänden.

Links davon steht der Erlbergkopf (rechte Bildhälfte) mit seinem Nachbarn, dem Schwarzenberg. Dazwischen liegt etwas versteckt die Vockalm. Dort ist eine ähnliche Wanderung möglich (siehe Liste).

Die Sameralm hatte ehemals als Brotzeitalm geöffnet. Was der Amtsschimmel dort oben zusammengewiehert hat, weiß nur er. Eine Bank für eine kurze Rast steht noch am Haus. Die früher allzeit griffbereite Ziehharmonika wird der Almer nunmehr wohl nur noch für sich spielen. Verpflegung gibt es keine mehr.

Der freie Blick auf den Chiemsee blieb natürlich noch erhalten. Das ist ein Grund, auch künftig dorthin aufzusteigen und ich denke, das werden viele machen.

Mit einem Blick zurück auf die schöne Almhütte und den freundlichen Hang dahinter (Dornröschen ist jetzt frei gekommen!) verabschieden wir uns mit der wehmütigen Erinnerung an frühere Erlebnisse auf dieser Hütte.

Maisalm mit dem freien Hang dahinter. Das Gebäude ist von der Straße etwas zurückgesetzt. Die vielen Biker, welche die Straße runterdonnern, kann man von der Terrasse aus mit einem unbeteiligten Blick zur Kenntnis nehmen. Eine Gefahr stellen sie in diesem Moment nicht dar.

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 24.10.2019