Logo Bergwandern

Bergwandern für Senioren

Impressionen aus den Bergen

Wanderungen

Semmelkopf



Semmelkopf

Semmelkopf, welch schöner Name – offiziell heißt der Berg aber Ascherjoch. Es ist eine Wanderung südlich des bekannten Trainsjochs über den kaum besuchten und deshalb wenig bekannten Bergrücken. Ab der Ascherjochalm ist Orientierungssinn angesagt, denn der Pfad ist nur schwer zu erkennen. Dafür hat man an vielen Stellen eine herrliche Fernsicht und kann sich auf die Brotzeit auf der Mariandlalm freuen. Im Bild: freie Gipfelkuppe des Semmelkopfs; Spuren des Wanderpfades sind nicht mehr zu sehen (Stand: September 2019)

Abstract
Der Semmelkopf, eigentlich Ascherjoch, ist ein fast unbekannter Höhenrücken südlich des Trainsjochs. Folglich hat er nur wenige Besucher, die sich dort tummeln. Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass ab der Ascherjochalm der Pfad kaum zu erkennen ist und man schon einen guten Orientierungssinn braucht um die Richtung zu halten.

Nach dem langen Aufstieg über die Versorgungsstraße geht es richtig zur Sache bis man auf dem Vorgipfel, dem „Saurüssel“, ist. Dann wird es eine gemütliche Höhenwanderung auf dem Kamm zum eigentlichen Gipfel, dem 1550 Meter hohen Semmelkopf. Ein neues, sehr kleines Gipfelkreuz markiert die höchste Stelle, daneben wartet eine Rastbank. Bereits am Aufstieg, aber auch von der Gipfelkuppe aus, gibt es beste Fernsicht in alle Himmelsrichtungen.

Nach dem weglosen Abstieg über eine Wiese und nach der Querung zur Mariandlalm, wartet dort eine ganzjährig geöffnete Jausenalm der besonderen Art. Der weitere Weg zurück zum Parkplatz ist dann nur eine Formsache, auch wenn der Aufenthalt in der Hütte recht lustig war.
Schwierigkeit:36.0mittel (27.5-40)
Tracklänge:11,74 kmmittellang (8-15 km)
Wanderzeit:4:40 h*mittellang (3-5 h)
Höhensumme:779 mmittelgroß (400-800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.
Gebirge, Lage, Karte
Bayerische Voralpen, südlicher Teil der Wendelsteingruppe. Die Wanderstrecke liegt am „Hinteren Sonnberg“ vollständig in Tirol, östlich des Ursprungpasses, südlich des Trainsjochs. Karten: Kompass Wanderkarte Nr. 8, Tegernsee, Schliersee, Wendelstein; bzw. AV Digital 2016 (USB Edition) 3D, Mangfallgebirge Ost, bzw. GPS Garmin Oregon 600, TransAlpin V4 Pro. Die Kompasskarte hat einen Pfad über die beiden Gipfel verzeichnet, die AV Digitalkarte weist zwischen der Ascherjochalm und der Wanderkreuzung südlich des Trainsjoches keinen Eintrag auf.
Datum, Begleiter, Wetter
19.09.2019; Diese Tour gehe ich in der ersten Hälfte bestimmt alleine, so dachte ich. Nach der Abzweigung zur Mariandlalm sah ich auf der Versorgungsstraße lange Zeit auch tatsächlich niemand. Lediglich einige Fahrzeuge kamen mir entgegen, bzw. fuhren bergauf. Erst am Saurüssel überholten mich zwei junge Wanderer und auf dem Gipfel traf ich dann auf eine größere Gruppe an Senioren aus Trostberg. Sie machten einen Wanderausflug und waren vor mir losgegangen. Auf dem Rückweg zur Mariandlalm und erst recht auf dem Abstieg von dort war dann reger Betrieb. Sogar drei Mountainbiker machten sehr zum Unwillen der Wanderer die Gegend unsicher. Gleiches gilt für Personen mit Hunden, die sie nicht im Griff hatten. Es war erneut ein schöner Wandertag mit viel Sonnenschein und guter Fernsicht. Die Temperaturen lagen morgens noch im einstelligen Bereich. Ab Mittag kam dann ein recht kalter Ostwind auf, die Temperaturen stiegen deshalb nicht über 12 °C. Den mitgebrachten Pullover konnte ich die ganze Zeit anbehalten.
Erreichte Gipfel
Die Route führt über zwei Gipfel – eigentlich zwei Kuppen auf einem langgezogenen Bergrücken – nämlich den Saurüssel (1521 m) und den etwas höheren Semmelkopf (1549 m).
Alm(en), Hütt(en):
Mariandlalm, Bemerkenswerteste Alm auf dieser Runde – neben der Mariandlalm natürlich – ist sicher die Ascherjochalm. Es gibt sie derzeit allerdings nicht. Sie ist abgerissen und an ihrer Stelle entsteht ein recht großer Neubau, wie die ersten Mauerteile erkennen lassen (siehe Foto). Ansonsten sind noch etliche privat genutzte Gebäude der Unteren Trockenbachalm zu nennen, an denen man aber nicht direkt vorbeikommt.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
Wanderparkplatz Ursprungpass, direkt an der Straße, etwa 700 Meter südlich der Grenze in Tirol. Adresse: Almen 101 (Parkplatz Mariandlalm), L37, A-6335 Almen/Tirol. Koordinaten: N = 47.605256, E = 12.018992; Geographische Daten: N = 47°36´18.9´´, E = 12.018992´´; UTM-Daten: Z = 33T, E = 275948, N = 5276733; Gauß-Krüger: R-E = 4501534.451, H-N = 5274095.504. Der Ausgangspunkt der Tour ist mit ÖPNV erreichbar. Auf der Anfahrt fuhr ich hinter einem Linienbus her, der von Bayrischzell nach Landl unterwegs war und an der Grenze eine Haltestelle hat. Von dort aus sind es nur wenige Meter bis zum Startpunkt. Die Nutzung von Rollstühlen und Kinderwägen ist allerdings nicht möglich.
Am Parkplatz überquerte ich die Landstraße und ging nach Osten auf der Versorgungsstraße beergauf. Nach etwa 1 km biegt ein Steig nach links ab, auf dem ich am Rückweg zurückkam. Ich blieb auf der Versorgungsstraße, die langegezogen mit vier Spitzkehren hinauf zur Ascherjochalm führt. Dort weist ein Wegweiser auf die möglichen Touren hin. Ein Schild zeigt nach Osten, es ist aber kein Weg erkennbar. Erst nach einem kurzen Stück über die Wiese fand ich einen undeutlichen Pfad. Er hat auch hin und wieder eine verwaschene Markierung. Wenn man aber in grober Richtung nach Osten marschiert und sich immer auf den höchsten Stellen der Strecke hält, geht nichts schief. Erst erscheint die unscheinbare Kuppe des Saurüssels. Dann geht es ein paar Meter bergab, ehe der Anstieg zum etwas höheren Semmelkopf beginnt. Nach der Überquerung eines Weidezaunes liegt die offene Kuppe vor einem. An einem kleinen Steinhaufen liegen die Reste einer alten Rastbank. Jemand hat sich entschlossen, an dieser Stelle ein kleines, ganz einfaches Gipfelkreuz aufzustellen. Etwas weiter östlich steht dann auch noch eine neue Rastbank. Nun folgt der weglose Abstieg über die Wiese zum bereits sichtbaren Schilderbaum am Trainssattel. Hier beginnt der Rückweg zur Mariandlalm. Er führt in vielen Windungen durch das Steilgelände, immer wieder mit etwas kniffligen Passagen versehen. Westlich der Mariandlalm zweigt ein Steig vom Versorgungsweg ab, überquert ihn später noch einmal und geht anschließend weiter bis Einmündung auf die Aufstiegsstraße. Der Rest geht dann bequem zurück zum Parkplatz.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
PP Ursprungpass826
Abzw. Mariandlalm961 0:231,00
2. Spitzkehre1043 0:200,78
3. Spitzkehre1080 0:090,34
4. Spitzkehre1233 0:291,37
Ascherjochalm1372 0:311,39
Gipfel Saurüssel1521 0:350,64
Gipfel Semmelkopf1549 0:301,03
Trainssattel1478 0:160,53
Mariandlalm1211 0:322,06
Einmü. Straße961 0:271,60
PP Ursprungpass826 0:181,00
Anmerkungen:
Wer dem Berg den schönen Namen „Semmelkopf“ gegeben hat, weiß ich nicht. Vermutlich ist das sein ursprünglicher Name. Ascherjoch heißt er offiziell wohl erst seit der Landvermessung zwischen Tirol und Bayern. Und ein Nebengipfel heißt auch noch „Saurüssel“. Unbekannt ist dieser Höhenrücken auf alle Fälle, auch wenn ich fast eines besseren belehrt worden wäre. Bekannte haben mich irgendwann auf diese Tour hingewiesen. Sieht man von der Gruppe des Alpenvereins Trostberg ab, die diese Route wählte, so hätte ich an diesem gut frequentierten Wandertag nur zwei andere Personen gesehen. Es ist eine Strecke, auf der man immer wieder Möglichkeiten zur Fernsicht hat. Das beginnt schon am Aufstieg mit Blicken nach Norden und Westen. Dann kommt die Fernsicht nach Süden in die Brandenberger Alpen hinzu. An der freien Gipfelkuppe geht ein sehr schöner Blick hinauf zum Trainsjoch und nach Osten zum Kaisergebirge. Spätestens an der Mariandlalm ist man dann im Trubel zurück. Dort treffen sich alle Wanderer wieder, egal über welche Route sie gegangen sind.

Das Höhenprofil zeigt zunächst den moderaten Aufstieg bis zur Abzweigung zur Mariandlalm. Dann wird es auf der Versorgungsstraße sogar etwas flacher bis zur Ascherjochalm. Anschließend beginnt das steilste Stück der Tour hinauf zum Saurüssel. Die weitere Strecke zum Gipfel des Semmelkopfes geht zunächst sogar etwas bergab, ehe der Schlussanstieg kommt. Im Folgenden führen dann alle weiteren Streckenteile gleichmäßig stark bergab, zwischen dem Trainssattel und der Mariandlalm mit einigen Stufen und kurzen Gegenanstiegen im Gelände.

Der Gipfel des Semmelkopfs ist ein kleiner Steinhaufen auf der flachen Graskuppe, erkenntlich nur durch eine alte, kaputte Rastbank. Es scheint, dass sich jemand erst vor kurzem erbarmt hat und dort ein kleines, einfaches Gipfelkreuz aufstellte. Weiter östlich steht dann auch noch eine neue Rastbank.

Ähnlich unscheinbar erscheint auch die Gipfelkuppe des westlich liegenden Saurüssels. Der Pfad führt ein paar Meter unterhalb vorbei. Ich habe es mir aber nicht nehmen lassen, für einige Fotos dort hoch zu gehen.

Der Semmelkopf bzw. das Ascherjoch ist ein lang gezogener Kamm, dessen Nordseite bewaldet ist. Teile des Gipfels und der Südseite sind frei und werden als Viehweiden genutzt. Foto: Blick von der Mariandlalm nach Süden.

Eine sehr gute Versorgungsstraße führt bis zur Ascherjochalm hoch. Vier Spitzkehren entschärfen die Strecke so, dass sie auch mit größeren Fahrzeugen zu bewältigen ist. Sogar ein schwerer Betontransporter hatte sich an diesem Tag auf den Weg nach oben gemacht.

Unvermittelt muss sie dann auftauchen, die Ascherjochalm, so dachte ich mir. Aber das alte Gebäude ist nicht mehr da. An gleicher Stelle entsteht ein Neubau. Die schon stehenden Mauern lassen vermuten, dass es wohl ein größerer Bau werden wird. Das ist ein Grund nächstes Jahr noch einmal zu schauen, was daraus geworden ist.

Ab der Ascherjochalm ist der Pfad nur noch undeutlich zu erkennen. Man macht aber nichts falsch, wenn man sich einfach bergauf orientiert. Immerhin ist es ein Pfad bzw. eine Richtung, auf die ein Wegweiser hinweist.

Falls man die Spur doch verloren hat, muss man nur nach Markierungen Ausschau halten. An einem Stein oder an einem Baum findet man dann bestimmt die rot/weiß/rote Markierung wieder.

Am Osthang gibt es dann keinen Weg mehr. Unten ist bereits der Schilderbaum im Trainssattel zu sehen, das nächste Zwischenziel. Jeder sucht sich seinen Weg zwischen den Kühen durch selbst, wo ihm das Gehen am besten erscheint.

Auf dem Querweg verläuft dann wieder ein häufig begangener Pfad. Seine Gefährlichkeit besteht darin, dass an vielen Stellen grober Sand auf dem Boden liegt, auf dem man schneller ausrutschen und stürzen kann, als man glaubt.

Außerdem geht es durch viele kleine Kare, die manchmal ganz abenteuerlich sind. Gute Trittsicherheit ist dort bestimmt kein überflüssiger Luxus.

Am Aufstiegsweg gibt es immer wieder Lücken, durch man Fernblicke hat. Ein sehr schöner Blick geht nach Norden hinüber zum Gelände der Oberen Trockenbachalm mit der Mariandlalm. Im Hintergrund ist der Große Traithen zu sehen.

Etwas weiter westlich taucht der Maroldschneid auf mit dem Auerspitz dem westlichen Abschluss dieses Kammes. Zwischendurch kann man sogar den Wendelstein erspähen.

Im Westen ist das mächtige Schönfeldjoch zu sehen. Es ist der östlichste Berg der Gruppe um das Hintere Sonnwendjoch. Dieses, wie auch die dazwischen liegende Krenspitze sind aus dieser Perspektive nicht zu sehen.

Südlich davon liegt die Veitsberggruppe, getrennt durch die Ackernalm. Die Veitsberggruppe mit dem östlich liegenden Veitsberg ist bereits Teil der Brandenberger Alpen.

Nördlich des Semmelkopfs erhebt sich das Trainsjoch, ein Grenzberg zwischen Bayern und Tirol. Angeblich soll bereits der römische Kaiser Trajan dort oben gewesen sein.

Beim Blick nach Osten darf natürlich das Kaisergebirge nicht fehlen. Auf diesem Foto sind beide Teile zusammen, links der zahme, rechts der wilde Kaiser.

Etwas südlicher der Mariandlalm ist im Tal die Untere Trockenbachalm auszumachen. Auch die Flächen rund um die Mariandlalm werden von dort aus genutzt. Die im rechten Bildrand unten versammelten Kühe ließen sich von dem Trubel auf der Mariandlalm nicht stören.

Und auch das konnte man sehen: nahe des Versorgungsweges weideten fernab der Alm zwei Kühe der Rasse Galloway. Es ist unglaublich, wie diese wild aussehenden, aber überaus freundlichen Tiere ins Steilgelände gehen, um sich dort Futter zu suchen. Wenn ihnen dabei ein Wanderer zusieht, so nehmen sie nur mit einem kurzen, uninteressierten Blick zur Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 13.10.2019