Logo Bergwandern

Bergwandern für Senioren

Impressionen aus den Bergen

Wanderungen

Streicher



Streicher

Streicher - kurzer, aber anstrengender Aufstieg zu dem exponierten Aussichtsberg zwischen Ruhpolding und Inzell. Der Rückweg geht dann nach Westen und ist zwar länger, aber gemütlicher. Für eine Einkehr muss man den Gang zur Moaralm anschließen. Im Bild: Blick von der Fahrrieskapelle auf den sehr steilen Nordabbruch des Streichers (Erstwanderung: September 2018; aktualisiert: Februar 2020)

Abstract
Den Streicher ordnet man üblicherweise noch dem Rauschberg-Massiv zu. Tatsächlich ist er aber der nordwestlichste Berg aus der Gruppe des "Inzeller Kienbergs". Sein unmittelbarer Nachbar wäre also der Zenokopf. Der Streicher hat einen sehr steilen Ostaufstieg ab Schmelz. Es geht über altes Bergbaugelände mit entsprechenden Geröllfeldern. Dazu gehört auch die Bergbaukapelle "Fahrriesboden", die etwas weiter unten steht.
Obwohl sich der Berg sehr exponiert präsentiert, erschien er mir nicht überlaufen zu sein. Zum einen ist der steile Ostaufstieg nicht jedermanns Sache, zum anderen ist die Route sehr lange, die zwischen Streicher und Rauschberg verläuft. Ich ging aber beide: den Aufstieg über die Ostroute, den Abstieg über die Westroute.
Einen Nachteil hat dieser Berg bzw. diese Wanderung durchaus. Es gibt unterwegs keine Einkehrmöglichkeit. Man kommt zwar hoffnungsvoll an der Kienbergalm vorbei, die ist aber geschlossen. Dafür habe ich nach dem Ende der eigentlichen Wanderung noch den kurzen Gang zur Inzeller Moaralm angeschlossen und selbstverständlich nicht bereut.
Schwierigkeit:42.0anstrengend (>40)
Tracklänge:13,4 kmmittellang (8-15 km)
Wanderzeit:5:15 h*lang (>5 h)
Höhensumme:920 mgroß (>800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
Parkplatz Schmelz West773
Fahrriesboden-Kapelle860 0:150,78
Kleine Kehre Knappensteig1098 0:451,38
Beginn Geröllfeld1180 0:150,41
Streichersattel1541 1:141,57
Gipfel Streicher1594 0:100,21
Kienbergalm1433 0:251,27
Kienbergsattel1424 0:060,39
Abzw. Pfad1010 0:342,00
Wegedreieck Talnähe924 0:140,92
Fahrriesboden-Kapelle860 0:301,99
Ortsmitte Schmelz760 0:150,60
Moaralm Inzell802 0:150,66
Parkplatz Schmelz West773 0:171,18
Gebirge, Lage, Karte
Chiemgauer Alpen; Untergruppe Ruhpoldinger Berge Ost. Der Berg liegt östlich der Rauschberggruppe und ist der westliche Teil der Inzeller Kienberggruppe. Karten: Kompass Wanderkarte Nr. 14, Berchtesgadener Land und Chiemgauer Alpen; bzw. AV Digital 2016 (USB Edition) 3D, Chiemgauer Alpen Ost, bzw. GPS Garmin Oregon 600, TransAlpin V4 Pro.
Datum, Begleiter, Wetter
28.09.2018; Alleingang. Dank des guten Wetters waren auch noch einige andere Wanderer unterwegs, eigentlich aber nur Personen, denen der steile Aufstieg nur ein Training bedeutete. Die meisten Wanderer habe ich dann - natürlich - auf der Moaralm gesehen. Die meisten hatten aber bestimmt keine anstrengende Wanderung hinter sich. Es herrschte spätsommerliches Hochdruckwetter mit überwiegend blauem Himmel. Erst nachmittags zogen einige Wolken auf. Morgens war es noch sehr frisch und es lag starker Tau. Dieser hielt sich in den Latschen noch sehr lange und erforderte an schattigen Stellen des Anstiegs durch die Schneegrube (welch bezeichnender Name) permanente Konzentration wegen der Rutschgefahr. Die Fernsicht vom Gipfel war sehr gut, aber leicht diesig.
Erreichte Gipfel
Streicher (1594 m); das ist der höchste Punkt der Tour.
Alm(en), Hütt(en):
Moaralm (Inzell), Fahrrieskapelle am Aufstieg und auch am Rückweg. Der Rückweg führte dann außerdem noch an der Inzeller Skihütte und an der Kienbergalm vorbei. Der Abstecher zur Moaralm geht durch den Ort Schmelz mit seinen Anwesen.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
Wanderparkplatz Schmelz West. Direkt an der B 305 gibt es einige Parkplätze an einem Holzlagerplatz und auch auf der anderen Straßenseite. Ansonsten liegt weiter westlich ein zweiter Parkplatz und auch im Ort selbst kann man recht gut parken. Adresse (unpräzise): Schmelz, D-83334 Inzell. Koordinaten: N = 47.749913, E = 12.725504; Geographische Daten: N = 47°44'59.7'', E = 12°43'31.8''; UTM-Daten: Z = 33T, E = 329519, N = 5291010; Gauß-Krüger: R-E = 4554508.187, H-N = 5290433.785. Der Ort Schmelz ist mit öffentlichen Bussen recht gut zu erreichen. An der B 305 gibt es immer wieder Haltestellen von denen aus man losgehen kann. Die Nutzung von Rollstühlen und Kinderwägen ist beim besten Willen nicht möglich.
Am Parkplatz überquert man die Bundesstraße und dann geht es sofort auf einem ausgewaschenen, steinigen Pfad steil bergauf. Nach einer Weile taucht die Fahrrieskapelle auf. Dort beginnt der lange, fast gerade "Knappensteig", der schräg am Hang entlang, ständig steil nach oben führt. An einer ehemaligen Hütte (die man aber kaum noch erkennt) beginnt ein Schotterfeld, das man kreuzt und weiter an diesem entlang durch Latschen aufsteigt, nunmehr nach Süden. Später wendet sich die Route nach Westen und geht durch die Schneegrube - immer noch weiter steiler werdend - hinauf auf den Streichersattel. Von dort ist nur noch ein kurzes, einfaches Stück zum Gipfel zu bewältigen. Der Rückweg geht zunächst zurück zum Sattel, dann aber nicht in den Steilhang, sondern geradeaus weiter. Kurz darauf passiert man die Inzeller Skihütte. Undeutlichen Spuren folgend geht es leicht bergab bis zur Kienbergalm. Dort mündet man auf einen Versorgungsweg ein und folgt diesem nach Norden. Zunächst geht es am Kienbergsattel vorbei, dann recht steil und in vielen Kurven zwischen Großem Rauschberg und Streicher immer bergab. Weiter unten kann man die Versorgungsstraße auf einen Abkürzungssteig nach rechts verlassen, der unten auf den Verbindungsweg zur Fahrrieskappelle bzw. nach Schmelz wieder einmündet. Anschließend geht es teilweise sogar nochmals leicht bergauf, im Wesentlichen aber quer zum Hang dahin. Ab der Kapelle führt der Abstieg nun dem "SalzAlpensteig" entlang, der zunächst im spitzen Winkel fast parallel zum Aufstiegsweg ins Tal geht. Er überquert die Bundesstraße und führt in die Ortsmitte. Dort geht man über einen Parkplatz hinweg nach rechts, unter der Straßenbrücke durch und an dem folgenden Spielplatz entlang, leicht ansteigend ins Tal hinein. Nach einer nochmaligen Abzweigung nach rechts taucht dann recht bald die Moaralm auf. Der Rückweg erfolgt in den Ort, auf der Straße nach Westen bergauf und noch ein kurzes Stück an der Bundesstraße entlang zum Parkplatz.
Anmerkungen:
Von der Steilheit des Aufstiegs zum Streicher wusste ich, auch dass es zwar anstrengend, aber nicht gefährlich wäre. Bequem ist der Aufstieg an keiner Stelle. Tatsächlich ging dann die größte Gefahr im oberen Teil von den nassen und rutschigen Stellen aus. Es ist besonders anstrengend, wenn man bei jedem Schritt erst prüfen muss, ab man auch einen guten Halt hat. Die zwei oder drei Felsstufen, bei denen man alle Viere einsetzen muss, ist keiner weiteren Erwähnung wert. Deshalb waren wohl nur die guten und trittsicheren Geher unterwegs, die diesen Berg als Trainingsgelände nutzten. Mir hat vor allem die sehr gute Fernsicht vom Gipfel aus imponiert, die ich als Lohn für die Anstrengung angesehen habe. Für den Rückweg wählte ich dann die einfachere Strecke als Rundweg. Die Einkehr in die etwas abseits liegende Moaralm hatte ich schon vorher geplant. Durch die beachtliche Höhe und die doch recht lange Strecke ergibt das nach meiner Bewertung eine anstrengende Wanderung. Mit nicht so guter Kondition und mit Bedenken hinsichtlich der Trittsicherheit sollte man darauf verzichten, die Wandertour zu machen.

Benachbarte Wanderungen

Almentour Laubau
Almentour Laubau

Das Schwarzachental liegt nördlich des Sonntaghorns, gut bestückt mit Almen. Die einfache Wanderung führt ab Laubau vorbei an der Schwarzachenalm und der Kaitlalm über den Kamm hinunter bis zur Harbachalm und Bichleralm. Dort ist der Anschluss zum Klausenrundweg; anschließend geht’s zurück. Leider lebt der Kaitl-Sepp nicht mehr, der legendäre Almer auf der Kaitlalm.

Peitingköpfl
Peitingköpfl

Das Peitingköpfl ist der Ersatzberg für all jene, die den Aufstieg von Unken zum Sonntagshorn nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer. Aber Ersatz ist es beileibe keiner, auch dieser Gipfel kostet etliche Schweißtropfen. Von dem etwas südlicher stehenden Gipfel mit seinem schönen Gipfelkreuz hat man trotzdem eine herrliche Fernsicht rundum. Und an der Hochalm kann man auf dem Rückweg einer respektablen Tour mit gutem Gewissen einkehren.

Teisenberg
Teisenberg

Der Teisenberg ist ein Vorberg der Staufener Berge, nahe Inzell. Er ist nicht allzu hoch, eignet sich aber für Wanderungen allemal. Zudem ist die Sicht vom Gipfel aus recht gut u.a. bis Salzburg. Etwas tiefer liegt die Stoißer Alm, eine leistungsfähige Einkehrmöglichkeit, sogar mit Übernachtungen. Daher ist es kein Wunder, wenn es Einheimische gibt, die dort oben am Stammtisch öfter mal anzutreffen sind. Aber nicht nur sie besuchen diesen Berg. So manche Schulklasse wird sich an einen Aufenthalt noch lange erinnern.

Klausenrundweg
Klausenrundweg

Klausenrundweg - auf den Spuren der früheren Holztriften südlich von Inzell. Mühsam musste das Brennholz für die Salzgewinnung in Bad Reichenhall aus den Bergen geholt und dann abtransportiert werden. Der Rundweg informiert sehr gut wie sich die Technik entwickelt hat und an etlichen Stellen ist davon noch etwas zu sehen. Mit den drei Transportmöglichkeiten "Triften - Eisenbahn -Lastwägen" zeigt sich der Wandel recht drastisch, auch wie er immer schneller verlief. Natürlich kommt man auch an drei Almen mit Einkehr vorbei.

Kienberg Staufengruppe
Kienberg Staufengruppe

Kienberg in der Staufengruppe - Vorsicht, es gibt noch andere Kienberge. Es ist nur ein unscheinbarer Berg und präsentiert sich auch nicht besonders attraktiv. Es ist eigentlich nur Alibiberg der den Namen und auch das Ziel geben musste für das eigentliche Ziel: der Besuch der bekannten Höllenbachalm.

Bilder zur Wanderung

Der Aufstieg zum Streicher geht bis zur Fahrriesboden-Kapelle noch einigermaßen moderat dahin. Dann aber wird es ordentlich steil bis auf den Sattel knapp unter dem Gipfel. Unterbrechungen ergeben sich nur an wenigen Stellen ganz kurz. Der Abstieg nach Süden verläuft eigentlich recht gemütlich. Bis zum Kienbergsattel kommen immer wieder sogar kurze ebene Wegstücke. Etwas steiler wird es immer nur auf den Abkürzungen zur Versorgungsstraße. Der weitere Rückweg hat sogar kleine Strecken bergauf dabei. Auch die Strecke zur Moaralm und zurück fällt nicht besonderes auf.

Den freien Gipfel des Streichers ziert ein sehr hohes, schlankes Kreuz aus Metall. Im gepflegten Gipfelbuch fanden sich nur wenige Einträge der zurück liegenden Wochen. Besgtimmt haben sich die "Profis", die dort öfter hinauf kommen nicht eingetragen. Und die übrigen Wanderer sind nicht allzu viele.

Im letzten Drittel des Aufstiegs muss man durch ein wildes, steiles Kar bis man auf den weitläufigen Sattel kommt. Die letzten Meter zum Gipfel sind dann völlig unproblematisch. Der Ausdruck "Knappensteig", die wilde Geröllhalde und auch der Ortsname "Schmelz" sind noch Zeugen der bergbaulichen Vergangenheit dieses Berges.

Fahrriesboden-Kapelle; sie steht weiter unten am Berg. Auch sie kann man noch dem Bergbau zuordnen. Sie ist offen, hat einige Kirchenstühle und man kann eine Weile dort sitzen - wenn man möchte. Vermutlich ist sie Ort von so mancher Bergmesse, die es noch gibt, auch wenn der Bergbau längst Vergangenheit ist.

Erster Blickfang am Gipfel ist der westliche Nachbar, der Große Rauschberg. Er ist deutlich höher und durch ein wildes Kar geteilt, das man auch zum weglosen Abstieg nach Norden nutzen kann. Als ich auf meinem Rückweg dort unten daran vorbeikam, hatten einige Personen tatsachlich diesen Abstieg gewählt und gekonnt das lockere Gestein zu mehr "Rutschen" als "Gehen" genutzt.

Rechts neben dem Großen Rauschberg erblickt man über Ruhpolding hinweg den Hochfelln mit seinen markanten Gebäuden, der Tabor-Kapelle, dem Hochfellnhaus und dem Seilbahngebäude.

Nach Süden geht der Blick über die Kienbergalm hinweg zum Stolz der Chiemgauer Alpen, dem Sonntagshorn mit seinen beiden Nachbarn Aibleck (links) und Weitlahnerkopf (rechts). Aber auch noch in allen anderen Himmelsrichtungen kann man viele Berge sehen.

Natürlich sieht man auch das wunderschöne Inzell, tief drunten im Tal. Bei solchen Anblicken denkt man nicht mehr an die Anstrengungen beim Aufstieg.

Kienbergalm (rechts) mit ihrem unverwechselbaren, steilen Dach. Zu ihr kommt man auf dieser Route nicht direkt hin, man zweigt einige Meter vorher ab. Sie zählt zu dem weiten Wandernetz an der Südflanke des Rauschberges.

Inzeller Skihütte, knapp unterhalb des Streichersattels. Frieren braucht im kommenden Winter wohl keiner, es ist genügend Holz zum Heizen da. Ob es aber auch genügend Schnee gibt, damit sich der Aufenthalt in dieser Jahreszeit dort lohnt?

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 24.10.2019